Bumm bumm dä, dbumm bumm dä,
wo, wie, was weiß – weiß irgendjemand, ob Freddie Mercury sich über den aktuellen Obi-Werbespot amüsiert hätte? Über die wunderbare Brechung: beleibte Orangehemden als Pophelden rocken den Baumarkt? Wahrscheinlich mehr als John Lennon, dessen Imagine Marketingstrategen nutzten, um einem Stromkonzern imageverbessernde Weltverbessererinhalte zuzuordnen. Beide Musiker sind eh tot, so stellt sich laut Poptheoretiker Diedrich Diederichsen nicht die Frage nach deren Korruptheit. Aber nach Branding: Farben, Schriften, Logos. Ikonen zu Icons. Heartagram, Büffelhorn, toltekischer Petroglyph. Boing bumm tschak.
Dass Marke Madonna 50 wird, daran kommt auch ZWIEBELFISCH nicht vorbei, siehe Titel (Michelangelo Mochi), Thesen (Joachim Schneider), Temperamente (Michel Lutz, André Rössler). Popliterat Dietmar Dath widmet sich lieber Bands wie Turan Büyüksen Collective oder Bengalenstein, The Nakagami Slashers oder Dwight Tsvangirai. Wahrheit oder Pflicht? Säusel, Säusel, Sing, Träller, ein Blick on stage des Freiburger Theaters bringt Bilder zu den illustren Namen. Richtig echt ist Punkpoetrusse Viktor Zoj von KINO, aber auch schon tot. Punk dagegen lebt! Lebte zumindest bis zum Oktober 2006, da wurde das CBGB geschlossen, jener Schuppen in New York, in dem Dirk Görtler, Dozent an der Freien Hochschule für Grafik-Design & Bildende Kunst e.V. Freiburg, die Ursprünge des Punks verortet.
Vielleicht dann eher ein schickes Tschickä tschickä kling kling: Ethnoporzellanfee Sa Dingding singt meist auf Tibetisch, von tiefen Mönchskehlen begleitet. Das ist politisch korrekt, da können Stimmen aus dem Off noch so lange nach den Bösen im Musikgeschäft suchen, genauso wie – ciao, ciao! – sonnenverwöhnte Römer über die Besitzer der Popmusik diskutieren. Denn selbst ZWIEBELFISCH sehnt sich danach, Teenie und Teil des Drei-Komponten-Modells einer Star-Fan-Beziehung zu sein. Schrei, Kreisch, da-dumm dumm, Kaulitz & Co zeigen Zungenpiercings. It’s just a jump to the left, um von dort altersmäßig zwischen Micky Mouse und Citroen DS zu landen. Nein, hier geht es nicht um die Rocky Horror Picture Show, sondern um eine ähnlich kreativ gewandete Fangemeinde. Leider regional begrenzt auf Italien, Österreich und Deutschland, aber musikalisch cosmic spazierte sie über die Leipziger Buchmesse.
Was jetzt noch fehlt sind ein paar coole Jazzer. Nur bei ihnen heißt es, behauptet Eye-Redakteur John L. Walters: Logo? No go!
Na dann: Eins, Schnipp, drei, Schnipp!
Wolfgang Wick | www.zwiebelfisch-magazin.de